MERCIFUL NUNS - Interview XIBALBA

Interview by
The Guru (Lodge Argentinia), Armide (Lodge France), Nay (Lodge Mexico)

I am driven by the search for the origins of faith, the source of all world religions and the eternal question why we dwell on this Earth. - Artaud Seth

Sarru mass Artaud! Vielen Dank, das Du Dir die Zeit nimmst dieses Interview mit mir, Nay und Armide zu führen. Es ist uns eine Freude und Ehre mit Dir über frühe Kulturen, die Zivilisation Eins und natürlich über Goth Rock zu reden. Die Themenbreite der Merciful Nuns variiert von Aleister Crowley Magie über die Präastronautik bis hin zu den Prophezeiungen der Mayas. Und über allem schwebt die Suche nach dem Ursprung unserer Zivilisation, dem UrRitus oder der Ur-Mythologie. Siehst Du das Merciful Nuns Konzept als künstlerischer Arbeit oder als eine Übermittelung von spezifischen Wissen? Möchtest Du Deine Hörer verängstigen? Artaud: (lacht) Nein, warum sollte ich das tun? Es ist definitiv nicht meine Intension Jemanden zu verängstigen. Aber vielleicht war es die Intension der Mayas, wenn ich das so sagen darf. Da wird sicherlich was dran sein, da das komplette System der Mayas auf Unterdrückung und Verängstigung basierte. Meine Texte sowie das komplette Konzept an sich, darf und soll über das künstlerische hinausgehen. Das mag jetzt arrogant klingen, aber ich habe mittlerweile das tiefe Gefühl eine tatsächliche Mission hier auf Erden zu haben. Das mag jetzt anmaßend sein, aber ich glaube dem Kern der Wahrheit über den Sinn des Seins und seiner Herkunft mittlerweile sehr nahe gekommen zu sein. Was ist Religion? Wo kommt der Wunsch nach Religiosität? Und warum suchen wir die Nähe der Götter oder Gott? Um so mehr ich mich mit der Vielfalt der Glaubensformen beschäftige umso klarer wird der eigentlich Kern, der Ursprung sichtbar. Alles hat einen einzigen Nenner: wir wurden besucht und nannten diesen Besucher GOTT.

Womit wir bei der Präastronautik wären. In welchem Zusammenhang stehen diese Reisen mit der Präastronautik? Artaud: Sie ist eine überaus plausible Erklärung des bisher unerklärlichen kulturellen „Sprungs“ in der frühen Menschheitsgeschichte. Waren wir kurze Zeit davor noch einfache Jäger und Sammler, befanden wir uns nur wenige Jahrzehnte später in hohen Zivilisationskulturen wieder. Interessant ist hierbei, dass in nahezu allen frühen Kulturen die gleichen Geschichten überliefert wurden. Ein Wesen oder viele Wesen kamen vom Himmel auf „fliegenden Gefährten“ und brachten Wissen. Diese wurden verehrt und zu Gottheiten gemacht. So entstand überall fast zeitgleich die Religion!

Eine Thematik, die mit der Präastronautik einhergeht, ist die Frage nach der Abstammung des Menschen. Was ist Deine Meinung dazu, dass der Mensch nicht durch Evolution, sondern von den alten Astronauten-Göttern erschaffen worden sein soll? Artaud: Ich habe keine Erklärungen, höchstens Denkanstösse anzubieten. Doch durch das was ich sehen, lesen und erfahren durfte, betrachte ich die Dinge vielleicht etwas kritischer und nicht so leichtgläubig wie Jemand, der über den christlichen Tellerrand nicht hinauskommt. Ich hätte jetzt auch die Muslimische, Jüdische oder Hinduistische Einfältigkeit nennen können, das spielt keine Rolle. Da sind sich alle Weltreligionen gleich. Die Wahrheit liegt im Ursprung des Glaubens und ganz sicher nicht in der menschengemachten Interpretation der jeweiligen religiösen Prediger. Woher kommen wir? In den meisten Fällen wurden wir von Gott oder den Göttern erschaffen. Vielleicht waren wir aber schon da und wir wurden von jenen Gottheiten schlicht nur „geformt“, oder „gelehrt“. Es spricht vieles dafür, das wir zumindest „besucht“ wurden.

Wie gehst Du bei der Themenfindung vor? Nimmst Du Dir zuerst alte Überlieferungen vor oder ziehst Du Sekundärliteratur zu Rate wie etwa Bücher von Sitchin? Oder beides gleichzeitig? Artaud: Alles was ich über alte, vergessene oder untergegangene Kulturen finde, kann als inspiratorische Quelle dienen. Zecharia Sitchin gehört auch dazu. Der „12 Planet“ oder „Der kosmische Code“ stehen in meinem Bücherregal und sind sehr zu empfehlen.

Auf Xibalba III entführt Ihr uns in die Unterwelt der Maya und, wie ich finde, auf eine spirituelle Reise in unser Innerstes. Im Rahmen der Vorbereitungen zu diesem Interview habe ich mich natürlich viel mit den Mythen der Maya, dem Popol Vuh und nicht zuletzt mit Deinen Texten beschäftigt. Wenn man sich mit der Thematik der Unterwelt/Xibalba auseinandersetzt, wird man automatisch mit deren Aspekten Leid, Sterben, Tod und Wiedergeburt konfrontiert. Der Tod bedeutete für das Volk der Maya anscheinend nicht das Ende, sondern er konnte auch Schöpfungsakt sein. Das zeigt sich zum Beispiel im Mythos von Hunahpu und Xbalanqué, die das Sterben als Teil des Lebens akzeptierten. Eine schöne Vorstellung: dass der Tod das Leben nährt.... der ewige Kreislauf der Natur. Dieses Akzeptieren fällt aber nicht jedem Menschen leicht! Wie denkst Du über diese Themen? Glaubst Du zum Beispiel an Reinkarnation? Würdest Du vielleicht sogar einmal in Erwägung ziehen, an einer sogenannten Rückführung teilzunehmen? Artaud: Auch wenn ich viel unterwegs bin, eine Reise hinter die Vorhänge des Todes war bisher kein angestrebtes Ziel von mir. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das so eine gute Idee wäre. Soweit ich weiß, ist bisher noch keiner von einer Reise ins Jenseits zurückgekehrt. Und glaube mir, ich bin wirklich gerne hier auf dieser irdischen Seite! Aber in Fiktion, in Träumen und Visionen war ich da. In jene Sphären reise ich durch alte Bücher und Manuskripte. Zum Beispiel mit Hilfe des von Dir genannten Popul Vuh, dem Buch der Toten, welches als erste Maya Quelle diente um die Xibalba (Unterwelt) zu ergründen.

Das atmosphärische Intro zu Xibalba ist wahrlich überwältigend. Es bereitet uns vor und gibt uns einen ersten Eindruck auf die großen magischen Momente, die wir bezeugen dürfen. Vorher kam die Idee einen Maya Priester die Einleitung sprechen zu lassen? Artaud: Weil es schlicht sehr gut passt. Er rezitiert die original Prophezeiung der alten Maya, die sich im 12. Baktun und 13. Ahau verwirklichen soll.

Die Welt nähert sich unaufhaltsam dem Jahre Null. Selbsternannte Endzeitprediger haben Hochkonjunktur, während wir alle in einem System leben, das nicht mehr funktioniert und bald obsolet sein wird. Die Nonnen gestalten diese Zeit mit und nähren diese Endzeit-Prophezeiungen. Wird die Menschheit tatsächlich kollektiv in die Xibalba verdammt werden? Artaud: Du möchtest wissen, ob Du jetzt nicht mehr arbeiten gehen musst und Dir in einem Liegestuhl bequem mit einer Tasse Tee den Weltuntergang anschauen darfst? Ich befürchte, da wird nichts draus. Der angeblich errechnete letzte Tag des sehr komplexen Kalenders soll der Tag 13.0.0.0.0. sein, nach gregorianischem Kalender der 21.12.2012. Es deutet aber rein gar nichts darauf hin, das es nicht einen Tag d a n a c h geben wird. Im Gegenteil! Der Mayakalender beruht auf dem Zyklus aus Endlichkeit und Neubeginn. Außerdem habe ich schon Gigs für 2013 angenommen, die ich auch sehr gerne machen würde wollen. Würde ich an ein Weltenende glauben, täte ich das wohl kaum (lacht).

Der zweite Song des Albums „Radiation“ dreht sich um eine verstärkte Sonnenaktivität. Wird hier im übertragenden Sinn das Erwecken eines schlafenden Ahnen, einen uralten Gottes zelebriert? Artaud: In "Radiation" geht es um die Verschiebung der Erdpole bzw. sogar deren kompletten Umkehrung! Was Nord war wird Süd und umgekehrt. Dieses Phänomen gab es in der Vergangenheit schon häufiger und lässt sich aktuell anhand von Resonanzverschiebungen belegen. Diese Verschiebung bildet den Abschluss des großen Zyklus und bietet einen Einblick in die galaktische, solare und planetarische Wirklichkeit, die laut den Mayas im Jahr 13.0.0.0.0 beginnt. Das Siegel auf dem Frontcover ist übrigens von mir selber entworfen und zeigt das Enddatum 13.0.0.0.0. im original Zahlencodesystem der Mayas.

Hört man sich Xibalba an, so spürt man förmlich die uralte Energie die Du umarmst, um solche Songs zu komponieren. Glaubst Du es wird eine Fortsetzung für dieses Album geben oder etwas komplett anderes? Wird Dein Fokus auf den alten Kulturen bleiben? Artaud: Jedes Album steht für sich selbst. Wenn Du Dich tiefer auf das Album einlässt und im Stande bist Dich den gesungenen, gesprochenen oder rezitierten Wörtern zu öffnen, dann wirst Du den roten Faden erkennen, der hinter allen Alben zu finden ist: Finde die Wurzel, den Beginn von Allem. Ich habe aber definitiv auch kein Problem damit, wenn Jemand schlicht nur die Musik gut findet.

Aus meiner bescheidenen Sicht sind die eindrucksvollsten Songs „Year Zero" und „In Between Worlds“. Wunderbar tiefe Basslinien paaren sich hier mit monoton, kaltem Schlagzeug. Das scheint neben den fulminanten Chören schon so etwas wie ein Markenzeigen der Nonnen zu sein. Artaud: Ich bin tatsächlich ein Freund von kellertiefen Bassläufen und kaltem, emotionslosen Drumming. Einfach, aber sehr präzise sollen sie den Rahmen eines Songs darstellen. Ich habe mir fest vorgenommen den Goth Rock der Jetztzeit in eine neue Richtung zu leiten. Weg von alten, verstaubten Goth Klischees hin zu einem hoffentlich bahnbrechenden neuen Ansatz gute zeitgemäße Produktion mit intelligenten Konzepten und eine längst in Vergessenheit geglaubter düsterer Emotionalität zusammen zu bringen. Das alles ergibt dann den typischen „Merciful Nuns“ Sound.

Ich erinnere mich, das Du während eines der Necromanteion Radio-Interviews erwähntest, das Du keine
Schlagzeuger magst. Warum? Artaud: Habe ich das?! Kann mich nicht erinnern. (lacht) Wie auch immer, ich möchte keinen Drummer On Stage, das ist wahr.

Die Songs sind so komponiert, das sie Dir einen höchstmöglichen Raum für Deine hervorragende Stimme lassen. Hast Du eine besondere Technik? Oder sogar eine klassisches Gesangsausbildung? Artaud: Nein, aber ich schwöre das umgehend nachzuholen.

In einem Interview in Oskar Terramortis Radio Show Necromanteion erwähntest Du, dass die Inspiration zu Xibalba von einer Reise zu den Ruinen von Palenque und Bonampak stammen. Wie fühlte es sich an? Was waren deine ersten Gedanken so nahe an den original Schauplätzen der Maya Kultur zu sein? Artaud: Das war schon eine sehr intensive Erfahrung. Wir sind mit einem Mietwagen 3 Wochen lang kreuz und quer durch Yucatan gefahren. Bis hin zu den entlegensten Ruinen von Calacmul, inmitten eines nicht enden wollenden Regenwaldes. Wir hatten die Ruinen teilweise tagelang für uns ganz alleine. Ich war erstaunt darüber, wie gut das alles erhalten war und habe dort viele Inspirationen sammeln können. Ich halte zwar nicht viel von Kraftplätzen, aber dem Zauber der Ahnen erliegt man an diesen Orten schon. Im Trailer zu Xibalba sieht man am Ende übrigens einen von mir selber gefilmten Tempel in Chichen Itza.

Du lässt Dich anscheinend gerne von Deinen Reisen inspirieren. Welche Ziele auf der Landkarte würdest Du in der Zukunft noch gerne ansteuern? Artaud: Peru fehlt uns noch. Und Sumer natürlich. Aber in den Irak kommt man ja nach wie vor nicht so einfach rein. Als nächstes stehen Alt-Testamentarische Reisen nach Israel und Jordanien an. Die politische Lage lässt nun endlich diese Kombination zu. Ich bin sehr gespannt was uns in Jerusalem, Petra, Massada, Qumran und Co im Bezug auf meine Suche nach dem Ur-Mythos, der Ur-Religion erwartet.

Und wenn wir schon beim Thema Reisen sind. Stell Dir vor, man würde Dir eine Zeitreise anbieten! Welchen Ort und welche Zeit würdest Du wählen? Artaud: Interessanter fände ich den Maya Schöpfungstag 0.0.0.0.0.! Der soll am 11. August 3117 gewesen sein und deckt sich frappierend mit biblischen, ägyptischen und sumerischen Schöpfungsdaten.

Auf "Invinite Visions" ist der Planet Nibiru zu hören. Wie geht man die Sache an, einen unbekannten Planeten zu vertonen? Was inspiriert dabei und ist diese Vertonung eine intuitive Sache oder basiert sie auf konkreten Vorstellungen von diesem Planeten? Klingt fast ein wenig nach Pink Floyd, oder? Artaud: Stimmt irgendwie. War von mir aber nicht so gewollt. Und klar, Musik entwickelt sich immer intuitiv. Diese Intuitivität will natürlich mit visuellen und erlesenen Eindrücken angefüttert werden.

Es ist in verschiedenen Überlieferungen davon die Rede, dass die alten Götter zur Erde zurückkommen werden. Wann könnte dies Deiner Meinung nach geschehen? Was könnte der Grund für deren Rückkehr sein? Will Gott einfach mal nachschauen, was seine Schöpfung so treibt? Artaud: Würdest Du nicht ab und an nach Deinen Kindern schauen? Ich empfinde das als logisch, wenn man dieser Theorie grundsätzlich folgen möchte.

Woher kommen die Götter? Auf dem letzten Album war ja von Nibiru die Rede. Artaud: Wäre doch interessant. Ich befürchte nur, das die Amerikaner ihn vorher abschießen würden. Tatsächlich ist die Wiederkehr anhand der Sumerischen Überlieferungen für einen ähnlichen Zeitraum errechnet worden.

Ich nehme mal an, dass auf der vierten Seite des Booklets auf der alten sumerischen/babylonischen Stele Nibiru
zu sehen ist? Artaud: Ja.

Die globale Goth Szene ruft laut nach neuen, innovativen Bands. Die sogenannte “dritte Welle” scheint sich Bahn zu brechen und bringt immer mehr talentierte Bands hervor. Anscheinend haben viele begriffen, dass Merciful Nuns und gerade auch Xibalba III eine bahnbrechende Arbeit für die Wiederbelebung der Gothic Szene ist. Siehst Du das auch so? Artaud: Im Großen und Ganzen habe ich eigentlich gar nicht viel mit der Goth Szene zu tun. Ich war immer schon eher mit mir selber, als in irgendeiner Gruppierung. Das nennt man dann wohl eher einen Einzelgänger. Klar ist aber, dass vieles was ich musikalisch mag eben auch jene Leute hören, die dieser Szene angehören. Auch ist es mir bewusst, dass die meisten Anhänger der Nonnen aus der Goth Szene kommen und ich somit eine Verbindung mit ihnen habe. Aber wirklich wichtig ist mir das nicht. Es freut mich allerdings sehr, das diese Art der Musik gerade eine Art Revival erlebt!

Ich finde, Du bist ein wahrhaftiger Visionär! Aus Deiner Leidenschaft heraus entstehen so wunderbare Dinge und nicht nur Musik! Du hast vor einiger Zeit SOLAR LODGE gegründet, Dein eigenes Label. Vor Kurzem hast Du angedeutet, dass SOLAR LODGE demnächst mehrere Goth Rock Bands unter Vertrag nehmen wird! Was kannst Du uns dazu verraten? Artaud: Solar Lodge wird gerade zu einen vollwertigem Label ausgebaut und ein zukünftiges Zuhause für die hoffentlich besten „True-Goth-Bands“ weltweit sein. Ich denke, dass wir schon sehr bald die ersten Bands bekannt geben werden. Insgesamt werden sich wohl 5 Bands unter dem Dach von Solar Lodge einfinden. Später folgen dann sicherlich noch ein paar mehr. Ich bin recht zuversichtlich den Bands ein gutes Zuhause anbieten zu können.

Am 29.09.2012 wird im Berliner K17 das NUNHOOD GATHERING stattfinden! Was genau dürfen wir da erwarten? Und da es viele Mitglieder der NUNHOOD brennend interessiert: Wird es ein Meet & Greet mit Dir, Jawa und Jon geben? Artaud: Ich gehe davon aus, dass wir uns auch auf der Aftershowparty blicken lassen werden. Was Euch erwartet? Die Nonnen natürlich, Whispers In The Shadow, der österreichische Mentalist Thomas Thalhammer und unser lieblings DJ, Mr Oskar Terramortis, der seine Radio Show live performen wird. So, don’t miss it guys!

Glaubst Du in diesem Tempo weiterhin veröffentlichen zu können? Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Artaud: Offensichtlich mag ich es produktiv zu sein. Im März erscheint eine weitere EP die sich “Genesis Revealed” nennen wird. Anschließend spielen wir eine Reihe von Konzerte in ganz Europa. Für mehr Informationen darüber besucht bitte www.MercifulNuns.com.

Vor ein paar Wochen hast Du in einer "Communion" erwähnt, dass Du immer auf der Suche nach dem "Core", also dem Kern aller Dinge bist. In "Dark Trails" singst Du auch : "We are searching for the truth". Ich bin gespannt, wohin uns Deine Suche noch führen wird und freue mich schon sehr auf diese gemeinsame Reise. Vielen Dank für dieses Interview! Artaud: Ich danke Euch!

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