MERCIFUL NUNS - Interview LIBER I

Interview by Matt (MNLodge Germany)
Einleitung by Marlene (Radio Dunkle Welle)

she calls us from the Equinox… open the way… open this ride… a procession of laughter and fallen sons will be the miracle of incarnation of the sun”. Er ist zurück: Artaud Seth, dessen Abgang von der Bühne mit der Auflösung von GARDEN OF DELIGHT von einer über viele Jahre stetig gewachsenen und treuen Fangemeinde tief bedauert wurde und die in LUTHERION, dem nach GARDEN OF DELIGHT entstandenen Projekt um Artaud Seth, nicht finden konnte, was sie vermisste. Lib. I heißt das am 31.03.2010 erscheinende Debut Album der Merciful Nuns. Merciful Nuns, das ist Artaud Seth. So, wie man ihn kannte, wie man ihn schätzte, und so, wie er fehlte. Mystisch, atmosphärisch, eindringlich.

“until the edge of world I am waiting… waiting around for my funeral train…" (Funeral Train)

"and she closes her eyes and she spreads her arms and she falls on her knees… someday, one day I wash her sadness away" (Someday)

"at the end of the great white fear the nunhood shines so clear… and I watch the distance and I watch the resistance… all I see is a fragment between the balance." (Nunhood)

Worte, die sich beim Hören einbrennen, eingebettet in Musik, die tief unter die Haut geht. Bereits beim ersten Hören weiß Lib. I ohne Einschränkung zu überzeugen. Ob es daran liegen mag, das – obwohl gänzlich neu – vieles vertraut klingt? Auf musikalische Experimente wurde verzichtet. Was da ans Ohr dringt, ist ehrlicher Gothic Rock. Das Album sitzt. Von der ersten bis zur letzen Sekunde. Sich treibenden Melodien hingeben oder Augen zu und schweben, das alles macht Lib. I möglich, je nach eigener Befindlichkeit. Wer Garden of Delight mochte, wird sicher auch bei Merciful Nuns auf seine Kosten kommen. Und so wundert es nicht, dass die auf 1.999 Stück limitierte Erstauflage des Albums bereits eine Woche vor dem offiziellen Release fast gänzlich ausverkauft ist und in den Infrarot Charts direkt von 0 auf Platz 1 einstieg. Erste Konzerte sind bereits bestätigt. Schön, auch in Zeiten weitverbreiteter schwarz-musikalischer Trivialität noch auf solche Schätze stoßen zu dürfen.

Zum Tag der Veröffentlichung von „LIB I“ hier nun exklusiv für die deutsche Loge, ein erstes Interview mit Artaud Seth:

Hallo Artaud, heute ist Dein neues Album LIB. 1 der MERCIFUL NUNS erschienen. Ich denke mir, Du fühlst Dich dementsprechend gut!! Artaud: Stimmt. Es ist schlicht ein gutes Gefühl und es erfüllt mich mit tiefen Stolz gerade mit diesem Retro Goth Album, Erfolg zu haben. Ich muss gestehen, das hatte ich so nicht erwartet.

Platz 1 bei InfraROT? Artaud: Zum Beispiel. Aber auch die Fülle an Zuspruch von Euch da draußen. Das ist wirklich etwas ganz besonderes für mich. „Lib.1“ entstand eigentlich aus einer Laune heraus etwas zu Erschaffen, was mich persönlich zurück in eine Zeit versetzen sollte, in der ich selbst meine Passion zur Musik gefunden habe. Das nun viele diesen Weg mit mir gehen, wieder oder neu erleben, erfüllt mich, wie gesagt, mit großem Stolz.

Viele Deiner Fans feiern die MERCIFUL NUNS schon als die Wiedergeburt von GOD. Es scheint irgendwie fast unmöglich, diesen ewigen Bezug in Deine Vergangenheit aus den Köpfen zu bekommen. Artaud: GOD ist ein untrennbarer Teil von mir, dem ich viel zu verdanken habe. Klar kann man da Parallelen sehen, steckt doch im Großen und Ganzen der selbe Produzent, Songwriter und Sänger dahinter. Aber die Grundphilosophie ist eine andere. Da wo GOD eher bombastisch und vielleicht schon überladen daher kam, sind die NUNS Songs eher auf das Wesentliche reduziert. Produktionstechnisch wollte ich einen fetten modernen Sound mit den typischen Elementen der späten JOY DIVISION Phase zusammenbringen. Also ein kräftiges, schnörkelloses Schlagzeug mit prägnanten Hallfahnen, ein kellertiefen Bass sowie flirrenden Gitarren. Ich wollte mir auch viel Raum für meinen Gesang lassen. Das ist mir, so glaube ich, ganz gut gelungen.

Du bezeichnest Merciful Nuns als "Pure Retro Goth" und verneinst die Intention, mit dieser Band etwas völlig Neuartiges schaffen zu wollen. Warum hast du dich entschieden, Merciful Nuns als reinen Tribut an die Gothic-Szene der 80er und frühen 90er anzulegen? Artaud: Weil es sonst keiner macht und ich diesen Sound schlicht liebe. Außerdem möchte ich nicht noch weitere 20 Jahre warten bis eventuell, irgendwann mal die Sisters ein neues Album machen. Wahrscheinlich wäre ich sogar enttäuscht was dabei wohl heutzutage raus käme. Also habe ich mir eben selber ein derartiges Retro-Goth Album geschrieben! Und wer könnte es besser als ich?! Mir fällt da keiner ein. Vielleicht die Merry Thoughts. Aber die gibt es ja nicht mehr.

Mich erinnert LIB. 1 auch stark an die früheren GOD-Zeiten, allerdings klingt es düsterer, dunkler und musikalisch nicht so überfrachtet. Stimmst Du dem zu? Artaud: Dem könnte ich so zustimmen.

Bevor ich Dich nach der eigentlichen Thematik von LIB. 1 und dem Begriff der NUNHOOD befrage, würde mich interessieren, ob es sich dabei um ein Solo-Projekt von Dir handelt, oder es eine richtige Band mit alten oder neuen Gesichtern gibt? Artaud: Das Album habe ich in nur 3 Wochen komplett alleine eingespielt, aufgenommen und abgemischt. Ein eventuelles Live Line Up enthülle ich später. Da werden ein paar Überraschungen dabei sein, soviel kann ich jetzt schon versprechen.

Jawa? Artaud: Sicher.
Jón? Artaud: Ich hoffe.
Mike York? Artaud: Nein.
Adrian Hates? Artaud: Nein. Und übrigens, auch nicht Tom O`Connell. Falls Du den jetzt auch noch auflisten möchtest. Warten wir doch einfach mal ab.

Verfolgst Du eigentlich noch die Wege Deiner ehemaligen Mitstreiter? Artaud: In Teilen schon. Zuletzt hatte ich recht regen Kontakt mit Adrian. Ist schon erstaunlich welchen Weg er mit Diary Of Dreams eingeschlagen hat. Ist zwar musikalisch nicht so ganz mein Ding, ähnliches würde er wahrscheinlich auch über mich sagen, aber wirklich gut gemacht.

Garden Of Delight wurden 1991 gegründet. Planst du angesichts dieses 20-jährigen Jubiläums besondere Feierlichkeiten für 2011? Artaud: Da ist nichts geplant. Mein Fokus liegt nun auf den Nuns. GOD ist Historie.

Wie fällt dein Fazit nach zwei aktiven Dekaden in der Gothic-Szene aus? Artaud: Nach einer äußert spannenden Anfangszeit, die sehr von Innovation und einer gewissen Aufbruchsstimmung geprägt war und der darauf folgenden Zeit der künstlerischen und finanziellen Selbstverwirklichung, befinden wir uns nun wieder am Anfang. Das gilt tatsächlich für fast alle Musiker. Eigentlich eine sehr spannende Zeit!

So, nun aber zur angesprochenen Thematik. Welche Themen haben dich bei der Textarbeit inspiriert? Betrachtest du "Lib. 1" als Song-Sammlung oder als Konzeptalbum? Artaud: Beides. Die Texte funktionieren jeweils für sich alleine als auch im Verbund mit den anderen Songs des Albums. Alle zusammen verbinden sich dann zu einer Art Gesetzestextsammlung, meiner ganz persönlichen „Lib.1“.

NUN und NUNHOOD, wie würdest Du das eigentlich definieren? Ich könnte mir vorstellen, dass viele gar nicht vermuten, dass hinter NUN keine Nonne, sondern eine altägyptische Gottheit steckt. Welche Bedeutung hat er bei den MERCIFUL NUNS und was müssen wir uns darunter vorstellen? Artaud: Es handelt sich hierbei tatsächlich um ein in mehrfacher Hinsicht lesbarer Bandname. Primär fand ich die Vorstellung von einer barmherzigen Nonnenschaft als Reminiszenz an einer der besten Bands der 80er, den Sisters Of Mercy, für „Lib.1“ zu nehmen als passend. Sekundär wird der Name aber auch meinem Hang zur vorchristlichen Mythologie, gerade der ägyptischen, gerecht. Die Doppeldeutigkeit des Namens NUN sollte sich dann auch im NUNHOOD Konzept, der Vereinigung von Gleichgesinnten und Interessierten wiederspiegeln.

Es vermittelt den Eindruck, dass das NUNHOOD Konzept etwas mit Ordensdenken, ja Freimaurerei zu tun hat? Artaud: Da ist wohl was dran. Wie gesagt, das Ziel der NUNHOOD ist es Euch da draußen zu vereinigen. Dazu werden wir mehr und mehr Logen in Goth-Related Ländern gründen. Mit diesen Logen halte ich engen Kontakt und werde regelmäßig in den jeweiligen Ländern irgendwas Besonderes machen. Das kann, wie hier gerade geschehen, ein exklusives Interview, ein exklusives Konzert oder sogar ein Treffen mit uns sein. Demnächst, sobald ich etwas Zeit finde, wird unter www.grandlodge.de eine virtuelle Bibliothek eröffnet werden. In der möchte ich einen Einblick in die thematische Welt hinter meinen Texten bieten. Nur Mitglieder der NUNHOOD werden dazu eingeladen die www.grandlodge.de zu betreten. Sie werden quasi zu Eingeweihten, wenn sie das wollen. Nun zu Deiner Frage ob das Ganze was mit der Freimaurerei zu tun hat. Das hat es sehr wohl. Nur möchte ich das hier nicht allzu sehr überhöhen. An der Freimaurerei interessiert mich primär ihre visuelle und verschlüsselnde Art. Mehr nicht.

Der Bonustrack der neuen CD LIBER AL VEL LEGIS ist der Titel einer Schrift von Aleister Crowley. Es ist der 1. Band von Crowleys Buchreihe THE EQUINOX, auffälligerweise auch der Titel eines Tracks des Albums. Befasst man sich mit diesem Werk, dann findet man weitere Übereinstimmungen unter den Begriffen wie z.B. HADIT und AEON. Ist das ein gewollter Bezug? Artaud: Das waren sicherlich ein Hauptinspirator zu „Lib.1“. Crowley als Okkultist oder gar Schriftsteller interessiert mich aber eigentlich kaum. Allerdings hatte dieser Mann eine große Wirkung auf sein Umfeld und wirkt tatsächlich bis heute noch auf eine Gruppe von magisch inspirierten Menschen ein. Mich interessiert vielmehr woher ER die Themen hatte, wen und wie ER beeinflusste und durch was ER beeinflusst wurde. Ich denke, hier ist man dann schnell bei ägyptischer und griechischer Mystik, die als Grundlage für sein Thelema dienten. Golden Dawn, Freimaurerei, Rosenkreuzertum, waren weiter Themen die in „Lib.1“ einflossen. Stichwort Israel Regardie. Inspiration aus "Das magische System des Golden Dawn", welches mir im Original (2 Bände) aus einer englischen Freimaurer Loge von einem hochgradigen Freimaurer geschenkt wurden. Eine Hauptinspiration zu "Lib.1" z.B. in Temple Of Hadit.

Von LIB. 1 gibt es nur 1999 von Dir zertifizierte Exemplare, die reichen doch sicher nicht, um die Nachfrage der Fans zu stillen? Artaud: Vor ein paar Wochen dachte ich, das sie wohl reichen würden. Da lag ich wohl falsch. Aber so bleiben die ersten 2000 etwas Besonderes. Das Album wird in Kürze als Standart Version auf den Markt kommen. Mal schauen wie sich das alles so entwickelt. Ich bin ja nun auch noch gleich mein eigener Labelchef.

Solar Lodge? Artaud: Richtig.

Was versprichst Du Dir davon? Warst Du mit TRISOL nicht mehr zufrieden? Artaud: Doch war ich. Allerdings war ich an einem Punkt angekommen, wo ich es einfach selber in die Hand nehmen wollte. Obwohl ich recht lange mit mir gerungen habe, ob ich nicht doch wieder bei TRISOL unterschreiben sollte. Letztendlich habe ich mich für meine eigene Vision entschieden. Die Zeit wird mir Recht geben, da bin ich mir mittlerweile sicher.

Möchtest Du auch anderen Bands auf Deinem Label eine Chance geben? Artaud: Wenn sie zu meiner Labelphilosophie passen warum nicht.

Was die meisten Anhänger der neuen NUNHOOD-Bewegung interessiert, Artaud, gibt es denn schon Pläne für Konzerte? Artaud: Gibt es. Schaut ab und an hier rein oder besucht unsere Seite www.mercifulnuns.com.

Vielen Dank für das Interview! Artaud: Ich habe zu danken.


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