MERCIFUL NUNS - Interview GOETIA

Interview von Frater Fidens, Leiter der Benelux MERCIFUL NUNS Lodge

In nur kurzer Zeit hat es Artaud Seths neue Inkarnation MERCIFUL NUNS geschafft an die Blütezeit der legendären GARDEN OF DELIGHT anzuschließen. Und das mit bereits jetzt schon beachtlichen 5 Alben, drei EPs und einer Live DVD in der noch recht jungen Diskographie. In diesem Interview werden wir versuchen etwas tiefer in die Welt der beiden letzten Alben GOETIA IV und V zu blicken. Bevor wir dorthin eintauchen, möchte ich noch zum Ausdruck bringen, dass GOETIA IV und V nicht nur äußerst gelungen, sondern auch Artauds Behauptung im letzten Globalen Nunhood Interview mit Nachdruck unterstreicht:

"Ich bin tatsächlich ein Freund von kellertiefen Bassläufen und kaltem, spartanischen Drumming. Einfach, aber sehr präzise sollen sie den Rahmen eines Songs darstellen. Ich habe mir fest vorgenommen den Goth Rock der Jetztzeit in eine neue Richtung zu leiten. Weg von alten, verstaubten Goth Klischees, hin zu einem hoffentlich bahnbrechenden neuen Ansatz gute zeitgemäße Produktion mit intelligenten Konzepten und eine längst in Vergessenheit geglaubter düsterer Emotionalität zusammen zu bringen. Das alles ergibt dann den typischen „Merciful Nuns“ Sound." Artaud Seth

Das Kybalion scheint eine wichtige Quelle der Inspiration gewesen zu sein, mit denen viele hier wahrscheinlich nicht sehr vertraut sein werden. Deshalb möchte ich nun ein paar erklärende und vielleicht hilfreiche Hinweise geben, um die Texte und die Thematik die hinter den beiden Goetia Alben verborgen ist, besser verstehen zu können.

Das Kybalion ist eine Studie über die hermetische Philosophie des alten Ägypten und Griechenland, welches sich auf den sieben hermetischen Prinzipien beruft.

"Die Prinzipien der Wahrheit sind sieben; derjenige, der sie kennt und versteht, besitzt den Schlüssel, durch dessen Berührung sich alle Tore des Tempels öffnen." - Das Kybalion

Die sieben hermetischen Prinzipien, auf welchen die ganze hermetische
Philosophie beruht, sind folgende:

Das Prinzip der Mentalität
"Das All ist im Verstand; das Universum ist mental." - Das Kybalion

Das Prinzip der Entsprechung
"Wie oben, so unten; wie unten, so oben." - Das Kybalion

Das Prinzip der Schwingung
"Nichts ruht; alles bewegt sich; alles schwingt." - Das Kybalion

Das Prinzip der Polarität
"Alles ist zweifach; alles hat seine zwei Gegensätze; Gleich und Ungleich ist dasselbe. Gegensätze sind ihrer Natur nach identisch, nur im Grad verschieden; Extreme begegnen einander; alle Wahrheiten sind nur Halb-Wahrheiten; alle Paradoxe können in Übereinstimmung gebracht wenden." - Das Kybalion

Das Prinzip des Rhythmus
"Alles fließt; aus und ein; alles hat seine Gezeiten; alles hebt sich und fällt, der Schwung des Pendels äußert sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht aus." - Das Kybalion

Das Prinzip von Ursache und Wirkung
"Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung hat ihre Ursache; alles geschieht gesetzmäßig; Zufall ist nur ein Name für ein unerkanntes Gesetz, es gibt viele Pläne von Ursachen, aber nichts entgeht dem Gesetz." - Das Kybalion

Das Prinzip des Geschlechts
"Geschlecht ist in allem; alles hat sein männliches und sein weibliches Prinzip in sich; Geschlecht offenbart sich auf allen Plänen." - Das Kybalion

GOETIA IV beginnt mit dem Song "Ars Goetia", in dem Du die Clavicula Salomonis Regis, den wahren Schlüssel Solomon beschwörst, um Klarheit und Einsicht zu finden. Eigentlich eine Fortsetzung der Reise, welche wir schon auf früheren Releases finden konnten. Du hast es mal selber mit folgenden Worten beschrieben:

"Ich bin auf der Suche nach den Ursprüngen des Glaubens, der Quelle aller Weltreligionen und der ewigen Frage, warum wir auf dieser Erde wohnen" - Artaud Seth

Dieses Lied nimmt uns mit auf eine Reise jenseits von Zeit und Raum, in dem wir auch neue Einflüsse im Nonnen-Sound ausmachen können. Der Song projiziert Bilder von großer Macht. Kannst Du uns mehr über diesen Song erzählen? Artaud: Nun Frater, "Ars Goetia" ist unüberhörbar orientalisch inspiriert. Die verwendeten Tabalas sind Jordanischer Abstammung und die weiblichen Vocals rezitieren Ägyptische Gottheiten. Mit dem Song, den ich bewusst an den Anfang des Albums gestellt habe, wollte ich eine Art Transformation in die Alt-Testamentarische Region erzeugen. Und auch wenn Du das als ausgewiesener Thelemit vielleicht nicht gerne hörst, es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Aleister Crowleys Buch Ars Goetia" und dem textlichen Inhalt des Songs. Und seien wir doch mal ehrlich. Alles was mit Crowleys „Ars Goetia“ zusammenhängt beruht doch auf reiner Fantasie. Das Meiste davon hat sich Crowley ausgedacht. Oder sagen wir mal besser, er hat – wie er es immer tat – sich von alten Überlieferungen inspirieren lassen um etwas „Eigenes“ zu schaffen. Defakto weiß keiner was in der original Goetia stand, da sie - so sagt man - im Jahr 587 vor Christus, zusammen mit der Bundeslade bei der Zerstörung des ersten Tempel in Jerusalem, verbrannte. Mich interessiert eher der „Begriff“ Goetia. Das Alt-Griechische „Goeteia“ heißt übersetzt der Suchende. Das fand ich als Albumtitel sehr passend.

Frater: Die Songs schaffen eine Atmosphäre, die sowohl frisch als auch progressiv ist. Es gibt viele herausragende Songs auf dem Album, wie z.B. 'The Nazarene "," Temple At The Dome of the Rock "," Kybalion "und" Saturn Calls", die für mich als eine Art Rückbesinnung zu den Wurzeln Deiner eigenen musikalischen Goth Karriere zurück reichen. Das zeigt uns auch warum die MERCIFUL NUNS als einziger legitimer Nachfolger der seeligen GARDEN OF DELIGHT zu sehen sind. Gibt es hier vielleicht einen direkten Zusammenhang zwischen den NUNS und der aktuelle 'r e d i s c o v e r e d' Serie, eine Art überarbeitete Wiederveröffentlichung von gleich 9 GOD Alben die in diesen Monaten nach und nach veröffentlicht werden? Artaud: Vielleicht. Aber eigentlich möchte ich die r e d i s c o v e r e d Serie nicht in einen großen Kontext zu den aktuellen Nonnen Alben stellen. Sie sind autark und reflektieren die Vergangenheit. Es war mir allerdings ein tiefes Anliegen und irgendwie auch eine Verpflichtung, der Vergangenheit ein zeitgemäßes Soundgewand zu schenken.

Frater: Auf dem vorherigen Album "Xibalba III" stießen wir auf Pre-Astronauten und die Annunaki und befanden uns auf der Suche nach den Ursprüngen unserer Zivilisation sowie der ultimative Frage: woher 'wir', die Menschheit, kommen. In 'GOETIA IV und V' begegnen wir Zion, Salomons Tempel und die Cherubim (himmlischen Engelswesen in der geistlichen Welt, die immer mit der Heiligkeit Gottes verbunden sind), die die Bundeslade innerhalb des 'Kodesh HaKodashim' (das Allerheiligste) zu bewachen hatten. Nur einmal pro Jahr an Jom Kippur konnten der Hohepriester diesen Ort betreten. Das heiligste Möbelstück im Raum war die Bundeslade, dem sagenumwobenen Aufbewahrungsort der Gebots-tafeln Moses. Auf den beiden neuen Alben begeben wir uns auf eine literarische Reise durch diese Sphären. Wir, die Nunhood wissen das Du mit Jawa nach Israel und Jordanien gereist bist. In wie weit hatte diese Reise Einfluss auf die Alben? Artaud: Ich benutze unsere Reisen gerne als Trigger für kommende Alben. Das ist schon richtig. Insofern war unsere Exkursion ins Jordantal wohl dann sehr wichtig für die Entstehung der beiden Goetia Alben. Es ist mir schon ein Anliegen an den original Schauplätzen, den Zentren des Glaubens, zu reisen. Das war auch diesmal so. Aber um das klar zu stellen: mir geht es nicht darum die jeweiligen regionalen Glaubensformen an die Frau oder Mann zu bringen. Es sind die globalen Parallelen die mich interessieren. Warum weisen nahezu sämtliche Weltreligionen die selben Grundprinzipien und Erklärungen auf? Warum finden wir in fast jeder Ecke dieser Erde ähnliche oder gleiche vorantike Sakral-bauten, identische Riten und verblüffend ähnliche Beschreibungen lokaler Gottheiten? Und das, obwohl sich die Mehrzahl jener vorantiken Völker nie über den Weg gelaufen sind? Die Urreligion oder besser gesagt, das was am Anfang stand, weißt derart gleiche Begebenheiten auf, dass es mir komplett schleierhaft ist, warum die Weltbevölkerung an lokalen Glaubensbekenntnissen festhält. In ALLEN religiösen Überlieferungen wurden wir besucht. Die einen nannten diese Besucher Gott oder Götter, andere Engel, Annunaki, Nephilims oder Titanen. Es gibt überall detaillierte Beschreibungen wie sie aussahen, was sie hier taten und womit sie hier her kamen. Die Welt ist voller Bilder. Mann muss sie nur sehen! Oder sehen wollen.

Frater: Die Nunhood hatte gehofft, dass es neben den Veröffentlichungen auch ein neues Video geben würde. Gibt es einen Grund, warum das noch nicht geschehen ist? Artaud: Ein Video, welches das Niveau der musikalischen und grafischen Umsetzung gerecht wird, wäre nicht finanzierbar. Zumindest bisher. Aus Kostengründen müssten wir demnach mit schlichten Metaphern und Synonymen anstatt passenden Filmsets arbeiten. Und da bin ich mir nicht sicher, ob ich das machen möchte.

Frater: Viele von uns fragen sich, ob es nach den ganzen r e d i s c o v e r e d Wiederveröffentlichungen nicht eine logische Folge wäre, wieder mit GARDEN OF DELIGHT ein Konzert zu geben. Ist das im Bereich des möglichen? Artaud: Nein. Obwohl man uns schon viel Geld dafür geboten hat. Um das klar zu stellen: ich bin sehr stolz, auf das was wir mit GOD geschaffen haben. Aber richtig einzigartig und für mein Empfinden, unübertroffen in konstruieren düsterer Atmosphären, sind wir erst jetzt mit den Merciful Nuns.

Frater: Du warst sehr produktiv in den letzten Jahren. Trotzdem schaffst Du es immer wieder die richtige Balance in das Mixing zu bekommen. Ist dies aufgrund der Tatsache, dass Du in einem größeren Konzept arbeitest und nicht nur auf separaten Alben fokussiert bist? Artaud: Das trifft es eigentlich ganz gut. Allerdings stand nicht nur das Konzept von Anfang an, sondern auch das komplette Instrumentarium, was für die Aufnahmen verwendet wurde und wird. Das betrifft nicht nur die musikalische Instrumentierung, sondern auch die Aufnahme und Mixing Tools. Sämtliche Sounds sind Eigenkreationen und keine Factory Presets. Ich habe mir vor den Aufnahmen zu "Liber I" fast ein Jahr Zeit gelassen um alles so perfekt und highleveled hinzu bekommen. Alles was danach kam war reine Konzentration auf das Wesentliche: dem Songwriting.

Frater: In Bezug auf "The Theory of Everyting", die als Eröffnung zum' GOETIA IV Booklet präsentiert wird, was ist Deine Erfahrung in Bezug auf das folgende Zitat? "Da alles im All ist, ist es gleicherweise wahr, dass das All in allem ist. Dem, der diese Wahrheit wirklich versteht, ist große Weisheit gekommen." - Das Kybalion. Artaud: Das Kybalion ist eine Erklärung der allgemeinen Zusammenhänge von sämtlichen geistigen, materiellen und immateriellen Begebenheiten. Eine Art Theorie von Allem, auch Gottes Plan genannt. Diese Theorie wird im Allgemeinen auch als „Weltformel“ bezeichnet. Das „Kybalion“ offenbart sich uns, wenn wir von der verborgenen Botschaft Solomons und Babylons erfahren. Freimaurer kennen auch heute noch den versteckten Sinn hinter „SOL-OM-ON“. Das Licht wurde einst in allen Kulturen verehrt und angebetet. Die Römer nannten es Sol, im Sanskrit heißt es Om und bei den alten Ägyptern war das höchste Licht unter dem Begriff On bekannt. Die Silbe On weist zudem auf die Sonnenstadt On hin. Zusammen ergeben die Silben ein Synonym für das dreifache Licht: den Namen „Solomon“. Stellt man diesen Silben die Silben des Wortes Kybalion gegenüber, dann offenbaren sich darin die Schlüssel des Lichts:
Sol Om On = das dreifache Licht
Ba by lon = Tor zum göttlichen Licht
Ky ba lion = Schlüssel zum Tor des Lichts

Tore öffnet man mit Schlüsseln. Um das Tor zum Licht zu öffnen, benötigen wir ganz besondere Schlüssel. Verstehen wir, dass wir mit dem Kybalion die Hauptschlüssel zur Wahrheit in den Händen halten, dann erkennen wir, dass wir die Silbe Ky mit „Schlüssel“ übersetzen müssen. Und so halten wir mit den Kybalion „die Schlüssel zum Tor des Lichts“, oder einfach ausgedrückt:

die Schlüssel Solomons.

Frater: Es gibt einen klaren musikalischen Unterschied zwischen "GOETIA IV" und "GOETIA V". "GOETIA V" ist ohne Zweifel das atmosphärischste Album, welches die Nonnen bis heute erschaffen haben. Natürlich gab es schon vorher Songs wie "God/Aeon" aus dem ersten Album "LIBER I" oder Teile des "HYPOGEUM II" Albums sowie die "INFINITE VISIONS EP", die uns diese Seite im Nonnen Spektrum näher brachten. Können wir mehr davon auf den kommenden Alben erwarten? Und woher kommen diese tiefen Atmosphären? Artaud: Diese sinisteren Sounds sind untrennbarer Teil im musikalischen Kosmos der Merciful Nuns. Das könnte daran liegen, dass ich während der Entstehung eines Albums gerne einen imaginären Film im Kopf habe. Das hört sich vielleicht etwas seltsam am, aber eigentlich vertone ich jenen Film schlicht nur. Diese Visualisierungen brauchen, wie jeder atmosphärischer Film, einen guten Soundtrack. Und gute Soundtracks sind dann doch meist sphärisch und reduziert gehalten, um Raum für die Bilder zu lassen. Sicher ist das auch ein Grund, warum viele unserer Songs oder sogar ganze Alben so cineskopisch daher kommen. Und vielleicht ist es auch genau das, was uns so einzigartig macht: wir lassen Raum! Raum für einen ganz eigenen und persönlichen Film eines jeden Hörers. Beim erschaffen war es mein Film, der mich begleitet hat. Beim hören, ist es Eurer.

Frater: "GOETIA IV" endet mit dem schönen und atmosphärischen Song "Love I Will Purified". Dieser Song schließt mit den Worten: "Summon Kodesh HaKodashim". Dies setzt das Thema für "GOETIA V", in dem wir das Allerheiligste betreten: man riecht Weihrauch, fühlt die Anbetung, die Lobpreisung, und vor unserem inneren Auge erscheint die Bundeslade. Der Song "Dark Water" zieht uns förmlich hinein in diese traumhafte Reise, jenseits jeglicher Vorstellung von Raum und Zeit. "Für eine maximale Wirkung spiele dieses Album in der Nacht", steht passender Weise auf der Rückseite des Albums. Die Atmosphäre wird greifbar, wenn man sich voll und ganz auf das Album einlässt. Man schwebt geradezu über dem Abgrund. Oder um es mit Deinen Worten zusagen: man sinkt langsam zum Boden eines Sees hinab. War Dir von Anfang an bewusst, dass die beiden Alben sich musikalisch doch so sehr unterscheiden würden? War es von Anfang an geplant 2 Alben aufzunehmen? Artaud: Es war von vornherein klar, das beide Alben zwar Inhaltlich aufeinander aufbauen, musikalisch aber sehr unterschiedliche Stimmungen bedienen werden. In der Nachbetrachtung wundert es mich schon ein wenig, das tatsächlich alle Songs in der Reihenfolge wie sie auf den Alben sind, geschrieben wurden. Das ist - selbst für mich - sehr ungewöhnlich. Während "Goetia IV" eher Berichtend und Faktisch daher kommt, versucht sein Schwesteralbum "Goetia V" eine klare und für Eingeweihte elitäre Botschaft zu vermitteln. Der, der im Stande ist das Album richtig zu deuten, dem offenbart sich erst die ganze Pracht der Goetia.

Frater: Das letzte Album ist introvertierter, dunkler und noch einen Gang düsterer auf der Suche nach Antworten. Rückblick auf "Xibalba III", in welcher Weise hat sich Deine Erfahrungen seitdem als Sucher zur Wahrheit entwickelt? Artaud: Was heißt das eigentlich, die Wahrheit suchen? Ich habe keine Wahrheiten gesucht, noch gefunden. Allerdings bin ich so gar nicht einverstanden mit den Theorien, die uns unsere Weltkirchen anbietet. Ich habe keinen Glauben im religiösen Sinne. Und hätte ich einen gehabt, hätte ich ihn sicher längst verloren. Aber da ist was, da draußen. Irgendwo in den Weiten des Universums liegt das wahre Mysterium. Und SIE waren hier.

Frater: Die Songs "Moving Through Times" und "The Maelstrom" nehmen uns jenseits der materiellen Welt mit auf die Suche, nach etwas, was auf der Erde längst verloren gegangen zu sein scheint. Wirklich standesgemäßer Goth, wie es sein sollte: "einfühlsam, intelligent, dunkel, meditativ und voller obskuren Bücher, Manuskripte und alte Rituale". Weiter erklärst Du: "ich habe mittlerweile das tiefe Gefühl eine tatsächliche Mission hier auf Erden zu haben. Das mag jetzt anmaßend sein, aber ich glaube dem Kern der Wahrheit über den Sinn des Seins und seiner Herkunft mittlerweile sehr nahe gekommen zu sein. Was ist Religion? Wo kommt der Wunsch nach Religiosität? Und warum suchen wir die Nähe der Götter oder Gott? Um so mehr ich mich mit der Vielfalt der Glaubensformen beschäftige umso klarer wird der eigentlich Kern, der Ursprung sichtbar. Alles hat einen einzigen Nenner: wir wurden besucht und nannten diesen Besucher GOTT." Goetia V transportiert uns im Verlauf des Albums von der Diesseitige in die Jenseitige Welt. Es lässt uns quasi virtuell die Schwelle des Todes übertreten, hinein in etwas, was ich mit Freiheit bezeichnen möchte, in der man etwas längst verloren geglaubtes wiederfinden kann. Dies ist ein wichtiger Aspekt meiner eigenen spirituellen und okkulten Praktiken. Auf der MERCIFUL NUNS Website gibt es eine Art Bibliothek, wo man weitere Informationen über diese Themen finden kann. Möchtest Du dem geneigten Nunhoodler tiefer in diese Materie einsteigen lassen wollen oder gar beraten? Artaud: Nein, das sicher nicht. Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der ständig eine Botschaft verkünden muss. Das klingt mir auch zu empor gehoben. Und das, wo ich doch durch und durch Marxist bin. Nein, mir liegt nichts daran etwas zu verkünden. Aber ich teile gerne meine Erkenntnisse. Und davon habe ich mittlerweile genügend gesammelt. Jeder darf sich, wenn er denn will, aus dem Nonnen Kosmos ziehen was er möchte. Wir bieten viel an, aber nicht alles muss auch abgerufen werden.

Frater: Der Song "Astral Light" zieht uns langsam hinunter auf den Grund des Sees. Die Transformation, das Sterben beginnt. Mit "Resting Under Water Deep" endet die Reise und das Album schaltet in einen tranceartigen Modus ...." wie oben, so unten ". Die Band schafft es mit Leichtigkeit dichte Atmosphären um einen soliden Rock Kern zu legen. Selbst progressive Elemente finden gekonnt ihren Platz. Irgendwelche Anhaltspunkte in welche Richtung ein nächstes Album gehen könnte? Artaud: Zu so einem frühen Stadium ist es für mich schwierig einen Ansatzpunkt für ein noch zu schreibenden Album zu geben. Vielleicht hilft eine etwas kryptische Formulierung: Ich versuche in der Exosphäre zu überleben und durch sie mit Euch unsterblich zu werden.

Frater: Am Anfang standen ein paar Logen. Mittlerweile gibt es Lodges in vielen Ländern. Was sind Deine Pläne für die Lodgen in den kommenden Jahren? Artaud: Eigentlich möchte ich schon seit geraumer Zeit die Logenstruktur etwas verändern. Ich weiß zwar WAS ich gerne reformieren möchte, aber ich weiß noch nicht WIE. Die praktische Umsetzung meiner Restrukturierung ist noch nicht ganz ausgereift und wird wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Defakto möchte ich einige Logen stärken und enger mit ihnen zusammenarbeiten. Auch möchte ich, das mehr Wert auf Inhalt und elitären Prinzipien gelegt wird. Und letztendlich möchte ich gerne den Umgang untereinander verbessern. Da sehe ich doch vereinzelt Handlungsbedarf.

Frater: Letztes Jahr hatten wir ein wunderbares Nunhood Gathering in Berlin. Natürlich ist jeder neugierig, in welchem Land die nächste Versammlung stattfinden wird. Ist es zu früh, um schon etwas Licht in diese Angelegenheit zu bringen oder kannst du uns schon was verraten? Artaud: Ursprünglich sollte das Gathering 2013 in Westdeutschland stattfinden. Die Halle war gebucht, das Datum stand und die Vorbereitungen waren so gut wie abgeschlossen. In der Zwischenzeit hat unsere Booking Agentur drei weitere Konzerte in der Region vermittelt. Das war uns einfach zu viel und wir haben uns entschieden das Gathering in das Jahr 2014 zu verschieben.

Frater: Nach Hermetischen Grundsätzen stellt der Weg zur Erleuchtung das Ouroboros Symbol dar. Es bezeichnet eine Schlange die sich in den eigenen Schwanz beißt, um dadurch einen Kreis zu formen. Die Leere des Kreises offenbart eine große Null. Diese Null steht im Tarot für den Narr und das Universum... das Alpha und das Omega... Anfang und Ende. Alles wiederholt sich, wie in einem immer währenden Kreislauf. Das Negative wird zum Positivem und umgekehrt. Ich kann mir keine bessere Beschreibung für den Weg oder die Reise vorstellen, auf die Ihr uns mit Goetia IV und Goetia V mitgenommen habt. Irgendwelche letzten Worte Die Du mit uns teilen möchtest? Artaud: Kann es bessere Schlussworte geben als Deine? Dem möchte ich mich gerne anschließen. Ich danke Dir für dieses außergewöhnliche Interview, Frater.

Interview von Frater Fidens, Leiter der Benelux MERCIFUL NUNS Lodge


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